
Die Delegierten des Bundesrats für Niederdeutsch zeigten sich bei ihrer gestrigen Zusammenkunft tief besorgt über die Zukunft des Faches an den Universitäten. Nachdem die Niederdeutsch-Professur in Greifswald nicht wieder besetzt wird, scheint nun auch das Ende des Faches an der Universität Göttingen bevorzustehen. Der derzeitige Lehrstuhlinhaber, Prof. Dr. Dieter Stellmacher, wird in zwei Jahren emeritiert. Dann soll das Angebot, dem Sparzwang folgend, ersatzlos gestrichen werden. Der Bundesrat fordert die niedersächsische Landesregierung auf, gemäß ihrer Charta-Verpflichtung für den Bestandsschutz des an der Universität Göttingen hervorragend positionierten Vollfaches Sorge zu tragen und darauf hinzuwirken, dass dort auch künftig Studenten Niederdeutsche Philologie studieren können.
Einen weiteren Arbeitsschwerpunkt bildeten Bildungsfragen für den Bereich des Niederdeutschen, sowohl im Hinblick auf ihre regionale Diversifikation als auch unter qualitativen und quantitativen Aspekten. Die Delegierten forderten nachdrücklich die Verlässlichkeit und Verstetigung der regionalsprachlichen Bildungsangebote ein. Notwendig sei darüber hinaus eine wissenschaftlich fundierte Bestandsaufnahme zur Lage der Regionalsprache. Eine solche Untersuchung ist aus Sicht der Delegierten dringend geboten, um das akute Gefährdungspotential des Niederdeutschen realitätsnah beschreiben zu können.
Zum fünften Mal sind am Institut für niederdeutsche Sprache 12 Delegierte aus sieben Bundesländern zusammen gekommen. Der Bundesrat für Niederdeutsch war vor knapp einem Jahr als bundes- und europaweite Interessensvertretung der Sprechergruppe gegründet worden. Die Geschäftsführung hatte seinerzeit das Bremer Institut übernommen. Kernaufgabe des Rates ist es, den Umsetzungsprozess der sprachpolitischen Vorgaben, die in der europäischen Sprachencharta rechtlich fixiert sind, kritisch zu begleiten. Zurzeit werden die Stellungnahmen der Landesvertreter zur jeweiligen Situation des Niederdeutschen in den zweiten Staatenbericht zur "Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen" aufgenommen, den die Bundesrepublik gegen Ende des Jahres vorlegen wird.
Weitere Informationen gibt der Sprecher des Bundesrates für Niederdeutsch Dr. Reinhard Goltz (0421 / 324535)